Damian Marhulets

Solo für Turntables, Eurorack-Modularsystem und Machine-Learning-Algorithmen. Eine Schallplatte liegt auf dem Plattenteller. Die Nadel läuft in der Rille. Und doch bleibt der Klang der Platte während der gesamten Performance unhörbar. Was die Nadel freisetzt, sind reine Kontrollsignale, die im Computer aufgezeichnet und mit einer Sammlung von Audio- und MIDI-Korpora verglichen werden. Was zurückkommt, ist keine Widerspiegelung des ursprünglichen Signals, sondern eine innere Reaktion des Systems: eine asynchrone Antwort auf die Gesten, die am Plattenspieler ausgeführt werden. Anstelle eines DJ-Mischpults steht am Ausgang dieses Prozesses ein Eurorack-Modularsystem – eine Schnittstelle, die zwischen Musik und Daten vermittelt. Das Ergebnis ist ein geschlossener, aber nie vorhersehbarer Kreislauf: eine Blackbox im Sinne der frühen Kybernetik. Ein autopoietisches und unberechenbares System, gekrönt von einem Schuss jener Paranoia, die man aus der Cyberpunk-Literatur kennt. Der generierte Klang ist somit nicht von seiner eigenen Vergangenheit heimgesucht, sondern von einer unzugänglichen Gegenwart. Die eigentliche Klangquelle bleibt unzugänglich, ist jedoch real und kausal wirksam. Was an ihrer Stelle hervortritt, ist ein Übersetzungsprozess mit instabiler Referenz – ein Klang mit phantomhafter Ursache. Konzeptionell speist sich die Performance aus dem kybernetischen Denken, insbesondere aus Humberto Maturanas Konzept der Autopoiesis – einem Modell für ein System, das sich aus seinen eigenen Zuständen heraus fortlaufend neu erzeugt. Die dabei entstehende Asynchronität zwischen Input und Output wird in dieser Performance zur Metapher menschlicher Wahrnehmung selbst.